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iolanda.olah@drk-ulm.de

Flüchtlingssozialarbeit

Iolanda Olah

Auf beiden Seiten Vertrauen aufbauen

Seit Dezember 2015 ist Diplom-Psychologin Iolanda Olah vom DRK-Kreisverband Ulm zuständig für die Sozial- und Verfahrensberatung für Geflüchtete, die im sogenannten "Sozialraum Wiblingen" leben, zu dem auch die Ortschaften Unterweiler und Donaustetten/Gögglingen gehören.

Frau Olah, wieviele Flüchtlinge betreuen Sie?
Das ist schwer zu sagen, weil die Zahl sehr stark schwankt. Der Schlüssel ist 1 zu 120. Ich bin zuständig für Geflüchtete, die vom Regierungspräsidium der Stadt Ulm zugewiesen werden. In den ersten Monaten 18 Monaten, die sie hier leben, sind ich und die Kolleginnen und Kollegen der Caritas und Diakonie Ansprechpartner. Das Rote Kreuz hat die Aufgabe, sich um die Flüchtlinge im "Sozialraum Wiblingen" zu kümmern.

Kommen die Geflüchteten zu Ihnen, wenn Sie Fragen zu ihrem Asylverfahren haben?
Ja. Aber das sind zurzeit wenige. Die meisten wenden sich wegen Problemen im Alltag an mich. Können Sie Beispiele nennen? Sehr häufig berate ich Eltern, deren Kinder in eine Tagesstätte oder in die Schule gehen. Besonders, wenn Kinder Schwierigkeiten haben in der Schule, versuche ich zu helfen. Ich bin oft bei Gesprächen zwischen Lehrern und Eltern dabei und halte engen Kontakt zu den Schulen.

Worin sehen Sie die größten Probleme dabei?
Zunächst einmal ist den Geflüchteten das hiesige Schulsystem fremd, das muss erklärt werden, möglichst mit Dolmetscher. Denn die Sprache ist eine große Hürde. Vor einer besonderen Herausforderung stehen wir, wenn die Erwachsenen nur eine geringe Schulbildung haben oder Analphabeten sind. Auch bei Arztbesuchen brauchen wir jemanden, der übersetzen kann.

Welche Alltagsfragen werden an Sie gestellt?
Meist ist es so, dass ich die Themen anspreche, wenn mir auffällt, dass Informationsbedarf besteht. Zum Beispiel erkläre ich, dass und warum eine Haftpflichtversicherung nötig ist oder warum der Müll getrennt werden muss. Dazu habe ich zusammen mit der Stadt eine Schulung organisiert.

Beraten Sie hauptsächlich Familien?
Ja. Ich habe vor, auch über Schwangerschaftsverhütung zu informieren. Außerdem liegt mir die gesunde Ernährung am Herzen. Ich sehe oft, dass die Kinder zu viele Süßigkeiten und Chips essen. Das liegt teilweise daran, dass den Menschen unsere Lebensmittel fremd sind. Also muss ich sie auch darüber aufklären: Welche Lebensmittel sind gesund, wie können sie verarbeitet werden, warum muss man Milch bei uns nicht unbedingt vor dem Verzehr kochen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie können sich die Erwachsenen im Stadtteil integrieren?
Ich sehe es als meine Aufgabe an, Brücken zu bauen - Brücken zu Einrichtungen und Vereinen im Stadtteil. So arbeiten einige Flüchtlinge inzwischen im Reparaturcafé mit.

Was ist aus Ihrer Sicht das größte Problem bei der Integration?
Neben der Sprache vor allem die Tatsache, dass auf die Leute so unglaublich viel Neues einstürzt. Sie brauchen Zeit, um sich zu orientieren. Das wird oft erschwert dadurch, dass sie ständig in der Angst um ihre Angehörigen leben, die in der Heimat zurückgeblieben sind. Viele können deshalb einfach nicht zur Ruhe kommen.

Leben sich die Kinder schneller ein?
Sie finden recht schnell Anschluss in der Schule. Aber viele Kinder sind schwer traumatisiert. Das wird oft ganz plötzlich in einer Situation sichtbar, in der niemand damit gerechnet hätte. Frau Olah, Sie haben selbst einen sogenannten "Migrationshintergrund".

Woher kommen Sie?
Aus Rumänien. 2010 kam ich nach Deutschland und wohne selbst seit zwei Jahren in Wiblingen.

Sie wissen also, wie es einem geht, der oder die in Deutschland Fuß fassen möchte?
Oh ja. Mich haben gerade die Pünktlichkeit, die den Deutschen nachgesagt wird, und die klaren Regeln hierhergezogen. Trotzdem musste ich mich daran gewöhnen.

Wie kamen Sie zur Flüchtlingssozialarbeit?
Es war mein großer Wunsch, in diesem Bereich zu arbeiten. Zuvor war ich beim DRK in der Wohnungslosenhilfe tätig.

Wie kann Ihrer Meinung nach die Integration der Flüchtlinge gelingen?
Ich denke, dazu bedarf es der Geduld und Verständnis auf beiden Seiten: Ich sehe viele Menschen, die den Flüchtlingen offen begegnen. Aber es wird sicher dauern, beiderseits Vertrauen aufzubauen. Deshalb ist es mein Wunsch, in der neuen DRK-Begegnungsstätte in Wiblingen Menschen verschiedener Kulturen zueinander zu bringen.